Erzieher/in

Wahlpflichtbereich Sozialpädagogische Praxisfelder

Erzieher/in mit individueller Profilbildung

Die Fachschule für Sozialpädagogik in Ravensburg bietet Ihnen vom dritten bis zum sechsten Semester die Möglichkeit individueller Profilbildung für Tätigkeitsfelder außerhalb von Kindertagesstätten. Sie spezialisieren sich nach eigenem Interesse pro Semester für weitere Tätigkeitsfelder einer Erzieherin/eines Erziehers (= Breitbandausbildung).

Sie wählen dabei jeweils für ein halbes Jahr bzw. für ein Semester eines der folgenden Module. Am Ende der fachschulischen Ausbildung bzw. nach dem sechsten Semester haben Sie vier dieser acht Module belegt.

Heilerziehung

Ausgehend von einem systematischen Begriff von Behinderung setzen Sie sich mit modernen Leitbegriffen der allgemeinen Heilpädagogik auseinander. Selbstbestimmung und Autonomie, Normalisierung, gesellschaftliche Teilhabe, Integration und Inklusion stehen dabei im Vordergrund – illustriert an praktischen Beispielen. Sie entwickeln ein Verständnis heilerzieherischen Handelns als Assistenz zur Gestaltung und Erweiterung der Lebenswelt von Menschen mit Behinderung.

Hierbei werden die Bereiche Wohnen, Arbeit, Freizeit und Bildung beleuchtet und Möglichkeiten kompetenter Assistenz und Unterstützung diskutiert. Im Bereich der speziellen Heilpädagogik werden Kenntnisse zu geistiger Behinderung, Sprachbehinderung und Körperbehinderung vermittelt.

Heimerziehung

Sie erhalten einen Einblick in die Vielfalt der Heimerziehung als moderne und differenzierte Wohnformen, die auf die verschiedenen Bedürfnisse ihrer Zielgruppe eingehen sowie in die Geschichte der Heimerziehung. Darüber hinaus lernen Sie Grundlagen sozialwissenschaftlicher Forschung zum Thema „Klientel der Heimerziehung“ und dessen spezifische Problemlagen und den Kontext der verschiedenen erzieherischen Hilfen, die das Kinder- und Jugendhilfegesetz vorsieht, kennen.

Im Bereich der Praxis und Methoden der Heimerziehung werden pädagogische Aspekte des Übergangs (Aufnahme und Entlassung) thematisiert, die Hilfe- und Erziehungsplanung als fortlaufender Prozess eingeführt sowie auf verschiedene Möglichkeiten der Arbeit mit Gruppen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Gruppenphasen eingegangen. Im Weiteren hospitieren Sie in einer Jugendhilfeeinrichtung.

Jugendarbeit/Sozialarbeit

Sie lernen „Jugend“ als eigenständige Lebensphase mit spezifischen Entwicklungsaufgaben kennen und werden in die fünf typischen Handlungsfelder der Jugendarbeit eingeführt: von der Jugendverbandsarbeit über Formen offener und mobiler Angebote bis hin zu Jugendberatungsangeboten. Sie beschäftigen sich mit Jugendarbeit in Jugendhäusern und Jugendtreffs, Schulsozialarbeit als Kooperationsform von Jugendhilfe und Schule, mobiler Jugendarbeit mit Streetwork und Gemeinwesenarbeit sowie Jugendkulturarbeit.

Exkursionen in verschiedene Jugendhilfeeinrichtungen bieten praxisnahe Einblicke in unterschiedlichste Handlungsfelder. Aktuelle Fragestellungen und Methoden der Jugendarbeit wie Antiaggressivitäts-/Coolnesstraining (AAT/CT), Obdachlosigkeit und Aspekte der Suchtproblematik von Jugendlichen werden ebenfalls vorgestellt.

Schulsozialarbeit / Hort

Hier werden Ihnen theoretische und praktische Inhalte über die Arbeit im Hort und das Tätigkeitsfeld der Schulsozialarbeit vermittelt. Nach dem Kennenlernen der gesetzlichen Grundlagen, der allgemeinen Inhalte, der Aufgabenstellungen und der Ziele der beiden Tätigkeitsfelder werden verschiedene Arten und Formen sozialpädagogischer Hilfen aufgezeigt.

Anhand von Aufgabenstellungen und Fallbeispielen erproben Sie verschiedene Methoden der Arbeitsfelder und erarbeiten diese in Kleingruppen. Sie diskutieren Kriterien für die Qualitätsdimension von Tageseinrichtungen und erhalten Einblick in verschiedene Präventionsprogramme.

Verschiedene Exkursionen bieten konkrete Einblicke in die beiden pädagogischen Tätigkeitsfelder.

Pädagogik der frühen Kindheit

In diesem Fach lernen Sie, ausgehend von den verschiedenen Angebotsformen für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren, vertieft rechtliche, organisatorische und räumliche Rahmenbedingungen der Betreuung kennen. Pädagogische Fragestellungen über Bildung im Kleinstkindalter, Sauberkeitserziehung, Tagesablauf, Aufnahme und Eingliederung, Elternarbeit in Verbindung mit der Haltung der Erzieherin/des Erziehers in Bezug zur Kleinstkindbetreuung werden vorgestellt und reflektiert.

Pflege

Dieser Kurs vermittelt Ihnen pflegerische Grundkenntnisse. Sie erfahren, dass Pflegen Beziehungsarbeit ist, und nutzen Ihre soziale Kompetenz, um dem Kind oder dem Menschen mit Behinderung pflegerische Assistenz und Hilfe zu leisten. Sie erwerben Kenntnisse über Aufbau und Funktion der Haut, erfahren Aspekte von Berühren und Berührt-Werden im Rahmen der taktilen Sinnesfunktion und lernen Prinzipien einer gesund erhaltenden Hautpflege kennen.

Sie erhalten einen Einblick in die Säuglingspflege und erlernen dabei das besondere Handling im Umgang mit dem Säugling. Das Baden und Wickeln eines Säuglings, das Stillen und die aufbauende Ernährung sind ebenso Thema wie die Bedeutung des gesunden, erholsamen Schlafes für Wohlbefinden und Wachstum eines Kleinkindes.

Psychiatrie

In diesem Kurs wird Ihnen ein grundlegendes Verständnis für die Aufgaben der Psychiatrie und Psychotherapie in der Erkennung, Prävention, Diagnostik und Behandlung sowie Rehabilitation psychischer Erkrankungen und Störungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen vermittelt.

In Anlehnung an die gängigen Diagnosesysteme ICD 10 und DSM IV wird exemplarisch anhand einzelner Krankheitsbilder (z.B. ADHS, affektive Störungen, Borderline-Persönlichkeitsstörung) die aktuelle Sichtweise der modernen Psychiatrie aufgezeigt. Darüber hinaus erwerben Sie Kenntnisse über die Bedeutung einer multimodalen Behandlung der Betroffenen, die sowohl pharmakologische als auch psychotherapeutische und psychosoziale Elemente umfasst.

Sozialpädagogische Familien- und Einzelfallhilfen

Das Modul vermittelt die breitgefächerten Aufgaben des Jugendamts von den niederschwelligen Angeboten bis zu den Hilfen zur Erziehung. Sie lernen die sozialpädagogische Familienhilfe als familienunterstützende Hilfemaßnahme des SGB VIII, § 31 kennen und besprechen die aus dem Gesetzestext hervorgehenden Ziele, Aufgaben, Methoden und Prinzipien der sozialpädagogischen Familienhilfe.

Im Weiteren lernen Sie das Hilfeplanverfahren nach § 36 SGB VIII, seine grundsätzlichen Bestandteile und das Hilfeplangespräch als Hilfeprozess kennen und behandeln neben dem § 8a SGB VIII, Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung und der Funktion der „insofern erfahrenen Fachkraft“ weitere Schritte im Beratungsprozess.