Institut

LEITBILD

Die fortwährenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, bildungspolitischen und religiösen Veränderungsprozesse fordern von Aus- und Weiterbildungsstätten für soziale Berufe die Bereitschaft und die Fähigkeit zur ständigen Weiterentwicklung der Ausbildungsgänge und Weiterbildungen, ihrer Lerninhalte, der Arbeitsorganisation und der Verflechtung der Lernorte „Fachschule“ * und „Praxiseinrichtungen“.

Eine bedeutsame Perspektive ist in diesem Zusammenhang die Herausforderung, sich immer wieder neu auf die sich verändernden Bedürfnisse der unterschiedlichen „Kunden“ einzustellen, das heißt, die Bedürfnisse der Praxis wahrzunehmen und von den Bewerber/innen her denken und handeln zu lernen und sie selbst in dieser Haltung zu stärken. Gleichzeitig erfordert der ständige Veränderungsprozess immer wieder eine Rückbesinnung auf die eigenen Wertegrundlagen und die Frage nach der Tragfähigkeit dieser Wertefundamente.

In dieser Grundhaltung der chancenorientierten Veränderungsbereitschaft, der Überprüfung dieser Veränderungen auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes und der Würde jedes einzelnen Menschen, entwickeln wir das Leitbild des Instituts für Soziale Berufe Ravensburg/Wangen/Bad Wurzach weiter.

Erfolgreiche Schulen kennzeichnet eine gute Ausstattung und eine geordneten Struktur der organisatorischen Abläufe, sie sind angewiesen auf die fachlichen und persönlichen Kompetenzen der Lehrenden und vertrauen auf die Neugier und den Bildungswillen aller Lernenden am Institut.

Die Weiterentwicklung des Instituts auf den unterschiedlichen Ebenen ist ständige Herausforderung, der wir uns offensiv stellen. Am Beispiel der Internationalisierung der Arbeit am Institut lässt sich diese Weiterentwicklung deutlich aufzeigen. Wurde in der Europaklasse seit 2001 der interkulturelle und interreligiöse Dialog beispielhaft verwirklicht, wird der Europaimpuls in den kommenden Jahren auf das ganze Institut ausgeweitet und vertieft werden.

Unser Leitbild soll den Fachschüler/innen**, den Weiterbildungsteilnehmer/innen, den Lehrkräften und Mitarbeiter/innen eine Identifikation mit dem Auftrag und den Zielen des Instituts für Soziale Berufe ermöglichen und den kooperierenden Praxiseinrichtungen und der Öffentlichkeit eine Orientierung bieten. Wenn die nachfolgenden Seiten zum Nach- und Weiterdenken, zur Auseinandersetzung mit eigenen Positionen und gesellschaftlichen Fragen und zur Vergewisserung in Bezug auf die Wertegrundlagen anregen würden, hätte der Leitbildtext sein hohes Ziel erreicht. Das vorliegende Leitbild ist Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung von Träger und Kollegium für eine zeitgemäße Ausbildung und Weiterbildung im Bewusstsein ihrer christlichen Grundlagen.

 

Im März 2018 Kurt Brust Geschäftsführer/Direktor

* betrifft auch Berufsfachschule
** betrifft auch Berufsfachschüler

GESCHICHTE UND RECHTLICHE GRUNDLAGEN

Das Institut für Soziale Berufe Ravensburg, Bad Wurzach, Wangen gemeinnützige GmbH ist eine Aus- und Weiterbildungsstätte in katholischer Trägerschaft. Die Träger sind:

Kongregation der Franziskanerinnen von Sießen e.V.
Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz Hegne
St. Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee
Stiftung Liebenau

Mit der Institutsgründung sollten nicht nur verschiedene Fachschulen und Ausbildungsgänge zusammengefügt, sondern auch die Chance genutzt werden, die in der parallelen und doch vernetzten Entwicklung liegt: Das miteinander Arbeiten und voneinander Lernen, die Einübung des berufs- und berufsfeldübergreifenden Denkens und die Förderung des gegenseitigen Austausches von beruflichem Wissen, theoretischen Grundlagen und Praxiserfahrungen der Fachschüler/innen** und der Lehrkräfte führt zu Synergieeffekten, die die einzelnen Ausbildungen befruchten. Darüber hinaus soll eine Haltung der gegenseitigen Anerkennung und Achtsamkeit aller am Bildungsprozess Beteiligten entwickelt werden.

„Grundlage unserer Ausbildungsarbeit ist die Grundordnung für die katholischen Fachschulen der Diözese Rottenburg-Stuttgart vom 27. Mai 1980 und die Schulverwaltungsordnung vom 25. Juli 1980“. Die Fachschulen des Instituts sind staatlich genehmigte und anerkannte Ersatzschulen im Sinne von Art. 7 GG und den §§ 4 und 10 des Privatschulgesetzes Baden–Württembergs. Die Ausbildung, Prüfung und staatliche Anerkennung erfolgt nach den Ausbildungs- und Prüfungsordnungen der zuständigen Ministerien des Landes Baden-Württemberg.

Zeugnisse und Prüfungen haben die gleiche Geltung wie diejenigen öffentlicher Schulen und verleihen die gleiche Berechtigung.

ANGEBOTE DES INSTITUTS FÜR SOZIALE BERUFE

Das Institut bietet Ausbildungen zum/zur

Altenpfleger/Altenpflegerin
Altenpflegehelfer/Altenpflegehelferin
Erzieher/Erzieherin
Heilerziehungsassistent/Heilerziehungsassistentin
Heilerziehungspfleger/Heilerziehungspflegerin
Jugend- und Heimerzieher/Jugend- und Heimerzieherin
in verschiedenen Organisationsformen an

und Weiterbildungen zum/zur
Heilpädagogen/Heilpädagogin
Fachwirt/Fachwirtin für Organisation und Führung

und eine
Akademie für Fort- und Weiterbildung

Neben der Vermittlung von Fach- und Methodenkompetenz ist es uns ein Anliegen, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Persönlichkeitsentwicklung stattfinden kann.

SELBSTVERSTÄNDNIS

Das Institut für Soziale Berufe versteht sich als eine lernende Organisation, welche die Freiräume und Möglichkeiten des Privatschulgesetzes innovativ und kreativ gestaltet und sich kontinuierlich weiter entwickelt.

Neben der Vermittlung beruflicher Kompetenzen auf hohem Niveau versteht sich das Institut gleichzeitig als ein „Anders-Ort“ von Schule als Lebensraum im Sinne der Inklusion, in dem sich alle Persönlichkeiten mit ihren jeweils eigenen Gaben, Aufgaben und Fähigkeiten in Bildungsprozessen ganzheitlich entwickeln und entfalten können.

In einer Kultur gegenseitiger Achtung arbeiten wir an unserer professionellen Haltung, die geprägt ist vom Willen zur Kooperation, zur Transparenz und zur Leistungsbereitschaft. Dabei ist uns die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern, Jugendlichen in schwierigen Lebensverhältnissen, von Menschen mit Behinderungen und von alten Menschen von zentraler Bedeutung.

Als Institution in katholischer Trägerschaft versteht sich das Institut auch als ein Ort für religiöse Begegnung. In einer Atmosphäre der Offenheit für religiöse Fragen wird der Erwerb von Glaubenswissen unterstützt und werden Impulse für den persönlichen Glaubensweg gegeben. Achtsam und unterstützend wird auf dieser Basis der interreligiöse Dialog gesucht und gefördert.

DAS INSTITUT ALS LERNENDE ORGANISATION

Der Direktor/die stellvertretende Direktorin und die Fachbereichsleiter/innen der einzelnen Fachschulen* und Standorte bilden ein Leitungsteam, das die strategische und inhaltliche Weiterentwicklung des Instituts verantwortet. Alle Lehrkräfte besuchen regelmäßig Fortbildungen.

Themen des Instituts werden in den Institutskonferenzen, Fachbereichskonferenzen, Fachschulkonferenzen, Klassenkonferenzen, MAV-Konferenzen, Praxisanleitertreffen und Beiratskonferenzen diskutiert, weiter entwickelt und transparent kommuniziert.

Das Institut steht in ständigem Austausch mit den Praxisstellen. Neue Anforderungen in der Praxis werden daher früh erkannt. Aufgrund dieser neuen Bedarfe werden Inhalte bestehender Angebote angepasst und neue Aus- und Weiterbildungen entwickelt und auf den Weg gebracht.

Vernetzt ist das Institut mit den Vertretern anderer Schulen in Bundes- und Landesarbeitsgemeinschaften, mit Landesverbänden, der Liga der freien Wohlfahrtsverbände, der Agentur für Arbeit, der Stiftung katholischer freier Schulen und den Trägern von Kindertageseinrichtungen, der Einrichtungen der Jugendhilfe, Behindertenhilfe und Altenhilfe und dem Netzwerk Fortbildung BW.

WERTEGRUNDLAGEN

Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der einzelne Mensch, der in einer einmaligen Beziehung zu Gott steht, unabhängig welcher Religion oder Weltanschauung er sich zugehörig fühlt.

Entscheidend ist für uns die Achtung der Würde jedes Einzelnen, der auf dieser Grundlage seine Freiheit entfalten kann.

Der interreligiöse und interkulturelle Dialog ist am Institut institutionell und in der unmittelbaren Begegnung verankert. Bildung für und in Europa ist dem Institut ein besonderes Anliegen. Der Europagedanke wird schrittweise am Institut weiterentwickelt und bezieht alle Fachbereiche ein.

In Begegnungen und Beziehungen entwickelt und verwirklicht sich der Mensch, dies bedeutet für uns:
• den Anderen als eigene Persönlichkeit mit seiner eigenen Lebensgeschichte wahrzunehmen und ihm Lernräume anzubieten bzw. Entwicklungsräume zu eröffnen
• offen und achtsam miteinander umzugehen
• Schule als Lern- und Arbeitsraum erfahrbar zu machen, der geprägt ist durch Vertrauen und Fehlerfreundlichkeit

Unser Anspruch ist es, den Schulalltag so zu gestalten, dass Begegnung und Beziehung in diesem Sinne möglich sind.

GELINGENDE BILDUNGSPROZESSE AM INSTITUT

Gesellschaftliche Entwicklungen und Erkenntnisse aus dem Bereich der Sozialwissenschaften haben unmittelbare Folgen für das praktische pädagogische Handeln im Bereich der frühkindlichen Bildung, der Kinder- und Jugendhilfe, der Behindertenhilfe und der Altenpflege.

Die Aus- und Weiterbildungen am Institut für Soziale Berufe in Ravensburg/Wangen/Bad Wurzach orientieren sich an aktuellen wissenschaftlichen Grundlagen und Konzepten pädagogischer, pflegerischer und heilpädagogischer Arbeit und an den Kompetenzbeschreibungen des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR).

Darüber hinaus ist Bildung mehr als die Summe beschreibbaren Wissens, Fertigkeiten und Haltungen. Gelingende Bildungsprozesse integrieren Lebenserfahrung, praktische Erfahrungen, wissenschaftliche Erkenntnisse, methodische Kompetenzen und ethisch-anthropologische und religiöse Orientierungen. Das so entwickelte gesellschaftliche und berufspolitische Bewusstsein unterstützt solidarisches Handeln in beruflichen Zusammenhängen.

Fachschüler/innen** und Weiterbildungsteilnehmer/innen treten in einen Lernprozess ein, der sie auch selbst als Person mit ihren individuellen Erfahrungen, Reaktionsweisen, Gewohnheiten und Gewissheiten mehr und mehr in den Blick nimmt und neue Formen der Kommunikation und Kooperation einübt.

Die Aus- und Weiterbildung unterstützt die Lernenden beim Kompetenzerwerb, so dass sie sich fachlich reflektiert und werteorientiert eigenständig mit den spezifischen Belangen und Gegebenheiten vor Ort auseinandersetzen und gemeinsam mit allen Beteiligten lebensdienliche Lösungen erarbeiten können.

ARBEITS-UND LERNFORMEN UND MODERNE LEHR-UND LERNFORMEN

Die Arbeits- und Lehrformen orientieren sich einerseits an der Didaktik der Erwachsenenbildung, den Lernvoraussetzungen der Fachschüler/innen** und Weiterbildungsteilnehmer/innen und den Anforderungen der Praxis. Im Aus- und Weiterbildungsprozess wird Wert gelegt auf die Anwendung unterschiedlicher Lehr- und Lernmethoden, wie z.B. vernetzter Unterricht, Lehrgespräche, Präsentationen, Projektarbeit, selbsttätiges und selbst organisiertes Lernen, Freiarbeit, Studientage, Teamarbeit, Fachreferate durch Gastdozent/innen aus Theorie und Praxis und Exkursionen.

Den Fachschülern/innen**, den Weiterbildungsteilnehmern/innen und Lehrkräften stehen eine umfangreiche Fachbibliothek, Computerarbeitsplätze, WLAN-Versorgung, Laptops, Tablets, Headsets und Kameras zur Verfügung. Der Unterricht findet in modernen Klassenzimmern mit Beamerausstattung, Mediensäulen mit integriertem Windows 10 PC und Touchscreen, Dokumentenkameras und Whiteboards statt.

Das Institut verfolgt eine Blended-Learning-Strategie. Das Lernen in Präsenzveranstaltungen wird ergänzt durch das Lernen mit digitalen Medien in virtuellen Lernräumen. Einzelne Unterrichtseinheiten oder Praxisgruppen können somit auch in virtuellen Klassenzimmern (Adobe Connect) durchgeführt werden. Die Lernplattform Moodle ermöglicht die Gestaltung von Onlinekursen, in denen digitalisierte Lehr- und Lernprozesse unterstützt werden.

Das Institut für Soziale Berufe Ravensburg/Wangen/Bad Wurzach berücksichtigt beim Einsatz der digitalen Medien die datenschutzrechtlichen Verordnungen. Die kontinuierliche Einbindung aktueller digitaler Lernmöglichkeiten in der Aus- und Weiterbildung ist das Ziel der zukünftigen Unterrichtstätigkeit. Fortbildungsangebote und Webseminare im Bereich E-Learning gewährleisten die digitale Medienkompetenz der Lehrkräfte.

Für die Ausbildung in pädagogischen Medien sind spezielle Fachräume für Sport, Motopädagogik, Musik, Kunst, Rhythmik, Pflege und Gesundheit eingerichtet.

Träger, Lehrkräfte, Fachschüle/innen**, Weiterbildungsteilnehmer/innen und Vertreter/innen der Praxis sind am Prozess der Schulentwicklung mitverantwortlich beteiligt.

KOMMUNIKATIONS-UND BEZIEHUNGSKULTUR

Fachschüler/innen**, Weiterbildungsteilnehmer/innen und Lehrkräfte des Instituts bemühen sich um eine Kommunikations- und Begegnungskultur, die geprägt ist von Interesse und Respekt am Anderen, dessen Erfahrungen, Biographie und Entwicklung.

Die Entwicklung von Beziehungen braucht Zeit, die in einem Schulalltag mit Unterrichtsveranstaltungen, Praxisbesuchen und Schulorganisation nur begrenzt zur Verfügung steht. Um in der täglichen Arbeit Hektik und Routine zu reduzieren, versuchen wir, uns Zeit zu nehmen für den anderen und Zeit zu geben für das Angesprochen werden.

Dies drückt sich in gut ausgestatteten Kommunikationsorten und in festen Kommunikations-zeiten, wie Klassenkonferenzen, Fachschul- und Institutskonferenzen, Sprechstunden der Lehrkräfte, selbstorganisiertem Unterricht, Beratung in Ausbildungsfragen und in Krisen aus.

Für eine Begegnung als Christen sind uns gemeinsame Gottesdienste, Begegnungstage im Advent oder in der Fastenzeit und religionspädagogische Angebote besonders wichtig.